Freitauchen lernen: Geschichte, Physiologie und Tipps für den Anfang

OC BLOG Stories, Trends & Perspektiven Freitauchen, auch Apnoetauchen oder Freediving genannt, ist das Tauchen unter Wasser mit nur einem Atemzug, ohne Pressluftflasche. Jede gesunde Person kann Freitauchen lernen: Es braucht keine extreme Fitness, nur die richtige Technik und etwas Übung. Vor wenigen Jahren noch als Extremsportart bekannt, wird die Aktivität immer beliebter. Doch wie ist unser Körper dazu in der Lage, minutenlang ohne Sauerstoff zu überleben? Seit wann gehen Menschen freitauchen und wozu, außer natürlich Spaß? Und wie kannst du es selbst mit ein wenig Hintergrundwissen und Übung erlernen? Das alles erfährst du in diesem Blogeintrag! Geschichte des Freitauchens: Von der Steinzeit bis zum Weltrekord Vermutlich haben schon die ersten Menschen das Luftanhalten genutzt, um Ressourcen wie Nahrung und Schmuck aus dem Ozean zu gewinnen. Davon zeugen zum Beispiel 4500 Jahre alte Perlen aus Mesopotamien, die vom Meeresgrund stammen. Das können nur Freediver gewesen sein. Im antiken Griechenland haben sich Tauchende mit bis zu 15 Kilogramm schweren Steinen beschwert, um in bis zu 30 Metern Tiefe nach Schwämmen für ihre fortschrittliche Badekultur zu tauchen. Seit 2000 Jahren tauchen derweil die Ama-Taucherinnen aus Japan und Haenyeo-Taucherinnen aus Südkorea mit minimalem Equipment von Tanga, Kopftuch und Maske bis zu 25 Meter tief. Sie verbringen Stunden im Wasser, um ihre Dörfer mit Schalentieren aus dem Meer zu versorgen. Dabei verbringen sie genau so viel Zeit unter Wasser wie an der Oberfläche. Erst seit kurzem nutzen sie Neoprenanzüge. Eine Ama Taucherin aus Japan gleitet in die Tiefe, um Abalone-Muscheln zu sammeln. [Hong & Rahn 1967] Als Sport wurde das Freitauchen erst im 20. Jahrhundert populär. Die Anfänge waren geprägt von zwei Legenden: Enzo Maiorca und Jacques Mayol. Sie waren die Ersten, die die Limits des Tieftauchens testeten. Ärzte waren sich zuvor noch sicher, ab einer bestimmten Tiefe würde der Körper dem Druck nicht mehr standhalten können – doch als die beiden tiefer als 50, 90 und schließlich 100 Meter tauchten, bewiesen sie das Gegenteil. Der Sport wurde zunehmend professioneller, Wettkampfregeln etablierten sich in den 1970er Jahren. Der Weltrekord für das statische Luftanhalten – man liegt ruhig auf der Wasseroberfläche und hält die Luft an – liegt heute bei 11:35 Minuten, und Freitaucher Alexey Molchanov tauchte 2023 aus eigener Kraft bis 136 Meter Tiefe. Heute erfährt der Sport einen gewaltigen Hype. Bis vor kurzem war er noch als gefährlich und extrem bekannt, doch mittlerweile ist klar: jede gesunde Person kann ihn erlernen. Tauchphysiologie: Wie unser Körper beim Freitauchen reagiert Wir Menschen sind zum Tauchen perfekt ausgestattet. Kaum tauchen wir das Gesicht ins Wasser, setzt unser sogenannter Säugetier-Tauchreflex ein. Unser Herzschlag verlangsamt sich, unsere Blutgefäße verengen sich und der Blutfluss wird zu Lunge, Herz und Gehirn umgeleitet. Bei geübten Tauchenden kann der Herzschlag während eines Tauchgangs bis zur Hälfte reduziert werden. All das führt zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels und eine erhebliche Menge an Sauerstoff kann gespart werden. Bei Meerestieren wie Robben, Delfinen und Walen ist dieser Reflex besonders stark ausgeprägt, doch auch wir können ihn mit wiederholtem Training stärken. Dass der Tauchreflex bei Menschen nach wiederholtem Training so deutlich ausgelöst wird, lässt Forschende vermuten, dass wir eine Zeit lang während unserer evolutionären Geschichte eine semi-aquatische Lebensweise hatten. Viel Zeit im Wasser zu verbringen könnte also Teil der menschlichen Natur sein. Freitauchen in der Forschung: Wie Meeresbiologie das Apnoetauchen einsetzt Die Kunst des Freitauchens, die einst für die Beschaffung von Ressourcen genutzt wurde, wird heute im Naturschutz zum Erhalt dieser Ressourcen und zur Erforschung der Ozeane genutzt. Das Freitauchen hat dabei einen besonders großen Vorteil: Ohne das schwere Equipment, das beim Gerätetauchen benötigt wird, können Meeresbiologen den Tieren deutlich näher kommen. Fische und andere Meereslebewesen sind perfekt an ihre Umwelt angepasst. Sie sind geräuschempfindlich, haben meist ausgezeichnete Augen und spüren sogar die Bewegung des Wassers durch Druckveränderungen. Zusätzlich müssen sie sich ständig vor Raubtieren hüten. Somit sind die Tiere wachsam und bemerken jegliche Eindringlinge in ihrer Umwelt – Gerätetaucher meist schon, lange bevor sie das Tier sehen können. Beim Freitauchen ist das anders: Diese Art des Tauchens hinterlässt keine Luftblasen unter Wasser, ist leise und flexibel. Auf Effizienz getrimmt, gleiten die Freitauchenden mit flüssigen Bewegungen durch das Wasser – ganz als gehörten sie hierher. Nach einiger Zeit fangen die Tiere daher an, die Person als Teil ihrer Umwelt anzusehen. Sie dulden die Nähe. Manche werden sogar neugierig und schwimmen zum Menschen. Das ermöglicht Forschenden, direkt im Wasser mit den Tieren zu arbeiten. Auf den Azoren, zum Beispiel, einer portugäsischen Inselgruppe, kann Meeresbiologe Dr. Jorge Fontes so Blauhaie mit Satellitensendern ausstatten, ohne sie zu fangen. Forschende des Ocean Collectives nutzen eine ähnliche Technik, um Heringshaie und Blauhaie mit Akustik-Sendern auszustatten. Und auf den Malediven werden beim Freitauchen Ultraschallgeräte verwendet, um zu überprüfen, ob Mantarochen schwanger sind. Auch gefährdete Arten können aus nächster Nähe fotografiert werden, um sie auf individueller Ebene zu identifizieren. Haiforscher Lukas Müller beobachtet einen Blauhai, nachdem Dr. Jorge Fontes ihn mit einem Satellitensender ausgestattet hat. © Lennart Voßgätter Im Gegensatz zum Geräte- oder SCUBA-Tauchen ist das Freitauchen ressourcenschonend und mit deutlich weniger Aufwand verbunden. Alles was gebraucht wird, sind Maske, Schnorchel und Flossen, eventuell ein Tauchanzug bei kälterem Wasser. Für viele Aufgaben ist es auch meist schneller, denn Forschende müssen erst keine Pressluftflasche energieaufwändig befüllen. Anders ist das, wenn Forschende lange in der Tiefe arbeiten müssen, beispielsweise um Wartungsarbeiten auf 30 Metern durchzuführen. Da gibt es keine andere Möglichkeit, als auf das Gerätetauchen zurückzugreifen. Wenn beides möglich ist, ist das Freitauchen aber die nachhaltigere Wahl. Freitauchen lernen: 5 Tipps für Anfänger Mach einen Freitauchkurs. Bevor du versuchst, in die Tiefe zu tauchen, solltest du die Basics über das Freitauchen erlernen. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis gibt es ein paar Grundregeln, Handgriffe und Hintergrundwissen, die schwer autodidaktisch zu erlernen sind. Durch einen Kurs wird das Fundament gelegt, worauf du anschließend eigenständig aufbauen kannst. Zum Basic Freediver Kurs Trainiere das Luftanhalten. Auch ohne einen Kurs gemacht zu haben, kannst du das Luftanhalten gefahrlos trainieren. Lege dich dafür gemütlich hin. Entspanne dich und atme tief und langsam, länger aus als ein.